Gedenkstätten

Die Mordstätten der "Aktion Reinhardt"

Bericht einer Reise mit dem Bildungswerk Stanisław Hantz vom September 2025

Bełżec

Zwangsarbeit, Aufbau des Lagers, Trawniki-Männer, Überlebende

Der Rundgang beginnt an einer Stelle, an der ein Zwangsarbeitslager von Mai bis August 1940 existierte.  Aus Hamburg und Bremen kamen Sinti:zze sowie eine unbekannte Anzahl von polnischen Rom:nja. Die ersten Gefangenen mussten den Stacheldraht-Zaun um das entstehende Lager selbst bauen. In den ersten Wochen sind über 70 Kinder gestorben. Zu den „vergessenen Opfern“ der „Aktion Reinhardt“ gehören etwa 50.000 Sinti und Roma, die von März 1942 bis November 1943 in örtlichen Massakern, aber auch im Mordlager Bełżec umgebracht wurden.

Sobibor

Grabstätte flüchtender Juden aus Sobibor

360 Frauen und Männern gelang im Oktober 1943 die Flucht aus dem Mordlager Sobibor, 6 von ihnen gerieten nach 10 Kilometern an Waldarbeiter, die versprachen, den Flüchtenden zu helfen – tatsächlich lieferten sie sie dem Posten des deutschen Grenzschutzes in Zbereźe aus. Von den Deutschen wurden die Flüchtenden umgehend erschossen und verscharrt. Der kleine Jan Doliński hörte beim Kühe hüten die Schüsse und sah wenig später die frisch aufgeschüttete Erde. Als alter Mann berichtete er im Jahr 2016 u.a. der Kommission für jüdische Friedhöfe des Rabbinats in Warschau über die Geschehnisse im Oktober 1943.

Bruno Schachner aus Leer erinnert in der Gedenkstätte Sobibor an Liesel Aussen

Bruno Schachner aus Leer erinnert in der Gedenkstätte Sobibor an Liesel Aussen: Im März 1936 geboren, im Alter von nur 7 Jahren in Sobibor ermordet, vermutlich eine gute Stunde nach Ankunft auf dem extra abgezweigten Gleis ins Mordlager. „Ausländische Kinder, vor allem wenn sie noch jüdisch sind, kriegen keine deutschen Namen“, entgegnete der Standesbeamte in Leer auf das Begehren des Vaters, das Mädchen Liesel nennen zu wollen. Nach Beschwerden in der Landeshauptstadt musste der Standesbeamte zwar klein beigeben, aber die Schikanen gegen die Familie häuften sich.

Lublin: Organisation der „Aktion Reinhardt“ - auch Vergnügen für die Täter

Lublin war für die „Aktion Reinhardt“ nicht nur für Behörden und Dienststellen ein wichtiger Standort, sondern auch für Freizeit und Vergnügen der Täterinnen und Täter. Hier wurde effektives Massen-Morden einschließlich Beseitigung der Leichen geplant und überwacht, hier wurde auch gefeiert und entspannt, vor allem im zentral gelegene Sachsen-Park. Viele Deutsche, die nach Lublin kamen, empfanden dies als gesellschaftlichen Aufstieg, konnten sich einiges leisten, weit entfernt vom Bombenkrieg in Deutschland.

Rundgang zur Geschichte des Umgangs mit der jüdischen Geschichte von Izbica nach 1945

Tomasz Blatt kehrt nach 1945 zurück, möchte das Haus wiedersehen, in dem er und einige andere Juden sich versteckt hielten. Die Tür wird geöffnet – mit kuriosem Nachspiel: Der aktuelle Besitzer glaubt Verstecke in dem Haus zu finden, letztlich Reichtümer, Gold und Schmuck, schlägt alle Wände und Böden auf, findet aber nichts, ruiniert das Haus damit allerdings komplett und macht es unbewohnbar.  Zunächst Glück für Tomasz: Frau Krolikowski betrieb eine Bäckerei in Izbica, in der Tomasz Blatt arbeiten konnte.