Wissen

zeigt Wissenschaftler / innen in Gesprächen, bei Führungen durch Ausstellungen o.ä. und solche Akteure, die z.B. als Richter in Nachkriegs-Täter-Prozesse involviert waren und darüber berichten.

Dirk Frenking: Der Widerstand gegen das NS-Regime vor bundesdeutschen Gerichten

Der Untertitel lautet: Rühmliches und Unrühmliches aus der deutschen Rechtsgeschichte und zeigt auf, wie sich immer wieder bundesdeutsche Gerichte mit dem Widerstand gegen das NS-Regime beschäftigen mussten. So zog der Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, in der NS-Zeit selbst als Jude verfolgt, 1952 das Verfahren gegen den immer noch aktiven Nationalsozialisten Remer an sich, der auch nach 1945 die Attentäter des 20. Juli 1944 als Landesverräter bezeichnet und die neonazistischen Sozialistischen Reichspartei (SRP) mitbegründet hatte.

André Coilliot: Die deutsche Besatzung in Arras/Nordfrankreich

In der Stadt sah man viele Soldaten…
Monsieur Coilliot berichtet, wie sich das Leben unter deutscher Besatzung ab 1940 ändert, nicht nur, dass deutsche Soldaten das Stadtbild verändern, nicht nur, dass sie sich Kaffee kochen lassen. Coilliot ist Lokalhistoriker und kann auch vermitteln zwischen Ereignissen im ganzen Lande und im Raum Arras; wir erfahren etwas über militärische Aktionen und den Schwarzmarkt, aber auch über den französischen Widerstand.

Dr. Hans-Peter de Lorent: Schule und Nationalsozialismus – Täterprofile

Wer waren die Verantwortlichen im Hamburger Bildungswesen unterm Hakenkreuz, die zu Denunzianten, Scharfmachern und Provokateuren wurden und wie haben sie sich nach 1945 in „Entnazifizierungsverfahren“ reingewaschen, ja sogar neue Biografien erfunden, um danach teils rasante Karrieren zu starten? Manche waren nur „Mitläufer“ der Karriere wegen. Fast alle Porträtierten haben sich trickreich bemüht, um die „Persilscheine“ zu bekommen, oder haben die Zeit abgewartet, bis die Praxis der Entnazifizierung laxer wurde.

Dr. Volker Jakob: Franz von Papen - Ein Zylinder, kein Kopf

„Dieser Mann ist Katholik und er gehört dem Adel an.“
Reichskanzler, Steigbügelhalter, Lügenbaron, so charakterisiert Volker Jakob diesen Mann, der nicht unwesentlich 1932/33 beim letzten Schritt zur Etablierung von NSDAP und Adolf Hitler beteiligt war.
Jacob zeichnet in seinem Vortrag ein äußerst negatives Bild dieses Mannes. Er deckt seine religiös-deutsch-nationalen, konservativen und adeligen Netzwerke auf, durch die er eine größtmögliche, aber eben für die Demokratie der Weimarer Republik desaströse, zerstörerische Wirkung erzielte.

Prof. Winfried Heinemann: „Der 20. Juli 1944“

Welche Gründe hatten ausgerechnet die nationalkonservativen Politiker und Offiziere für einen Staatsstreich? Wie verhalten sich ethisch-moralische und auch religiöse Motive zu professionellen Sachüberlegungen? Der Vortrag will diesen Fragen nachgehen, zugleich auch bedenken, was das für unser heutiges Reden über den Widerstand bedeutet.
Prof. Heinemann fängt seinen Vortrag militärisch an: Es ist von Feindlage und Auftrag die Rede, weiter dann von "Durchführung und Befehlslage".

Dr. Dagmar Pöpping: Kriegspfarrer an der Ostfront

In allen Heeren seit der Antike gab es Soldatenseelsorge…
und auch in der Wehrmacht wurden die Soldaten psychologisch fit gemacht für den Kampf, erläutert Dagmar Pöpping die Hauptaufgabe der Wehrmachtspfarrer. Sie berichtet (in drei Film-Teilen) über ihre Forschung zum Einsatz von Wehrmachtspfarrern an der Front im Krieg gegen die Sowjetunion 1941 bis 1945.

Staatlich geplanter Massenmord oder der Sadismus eines Einzelnen?

Über den einzigen Prozess 1987-1991 gegen ein Mitglied der SS-Wachmannschaft im sog. „Zigeunerlager“ des KZ Auschwitz-Birkenau.

Dr. Kirsten, Direktor des Amtsgerichts Gelsenkirchen, erinnert an das beschämende Urteil des Zivilsenats des Bundesgerichtshofs von 1956, das noch von derselben Geisteshaltung und Diktion der rassistischen NS-Diktatur gegen die „Zigeuner“ geprägt war – das war im Prozess gegen den SS-Rottenführer Ernst August König 30 Jahre später anders.

Dirk Frenking

„Das Gespräch mit Schülern in unserer Ausstellung ist eine gute Gelegenheit zur Aufklärung über die Justiz während der Nazi-Diktatur“, findet Dirk Frenking, Richter am Oberlandesgericht und früherer Leiter der Dokumentations- und Forschungsstelle „Justiz und Nationalsozialismus NRW“ in Recklinghausen.

Manfred Schmitz-Berg: 150 Mark für einen Monat KZ !?

Wiedergutmachung? Renten, Kapitalzahlungen, Abfindungen, Beihilfen, Kosten für Heilverfahren, Kuren, Darlehen, Pauschalen, Globalabkommen, Ghettorenten – wer viel verloren hatte, konnte viel wiederbekommen, zunächst nur, sofern er Deutscher war, berichtet Manfred Schmitz-Berg, Richter am Oberlandesgericht a.D.; es gab vielfältige Wiedergutmachungsmöglichkeiten nach 1945 für all diejenigen, die unter dem NS-Regime verfolgt wurden und Schaden erlitten hatten. Eine Milliarde DM gingen im Laufe der 1950er Jahre des Weiteren auch an europäische Länder.

Karikaturen / Schriftsteller

Josef Čapek, präsentiert von Dr. Ulrich Grochtmann

Die "Sonne des Hakenkreuzes" über einem Soldatenfriedhof - das ist bereits 1933, sofort nachdem Adolf Hitler die politische Macht in Deutschland übergeben worden war, die klare Prognose von Josef Čapek, einem tschechischen Maler, Dichter, Journalisten und Karikaturisten (geb. 1887).
Sein Engagement der Warnung und Aufklärung gegen die tödliche Gefahr durch die Nationalsozialisten, auch in seiner Heimat, machte ihn zu einem ernsthaften Feind: Josef Čapek wurde am 1. September 1939 von den Nazis verhaftet, hat mehrere KZ durchlitten und am Ende das KZ Bergen-Belsen nicht überlebt.